Das Modell von POSE METHOD®

Dr. Romanov stellt fest, dass Laufen im Prinzip ein ständiger Wechsel des unterstützenden Standbeins (SUPPORT-Bein) ist. Laufen kann daher nur so gut sein wie dieser Wechsel (CHANGE OF SUPPORT). Zur Verdeutlichung seines Ansatzes benutzt er zwei Modelle:

1) Mechanisch – das Rad

  • der GCM befindet sich immer über der Stützfläche (SUPPORT)
  • der GCM bleibt auf einer konstante Höhe (keine Auf-/Abbewegung)
  • die Geschwindigkeit ist proportional zur Vorwärtsbewegung des SUPPORTS

Um mit vergleichbarer Effizienz wie dem Rad zu laufen, ergeben sich für Ihn drei Anforderungen an die optimale Lauftechnik:

  • die vertikale Bewegung muss möglichst gering sein
  • der Fussaufsatz muss möglichst nahe unter dem GCM erfolgen
  • eine hohe Schrittfrequenz (über 180+ Schritten pro Minute), um die körpereigenen Dämpfungssysteme zu aktivieren

2) Biologisch – die Bewegung von Tieren

Bei der Beobachtung von Tieren hat er festgestellt, dass die Gelenke der Hinterbeine nie ganz gestreckt sind und die Fersen keinen Kontakt zum Boden haben. Er folgert daraus, dass deshalb auch die Beine des Läufers eine S-Form haben sollten und der Fuss auf dem Fussballen aufsetzen muss, um die Faszien-Sehnen-Elastizität optimal auszunutzen. Der Gelenkwinkel des Fussgelenks soll sich im Verlauf der Bewegung möglichst wenig verändern. Das Bein wird nicht aktiv gestreckt – also, kein „klassisches Abdrücken“ (keine exzessive Streckung des Hüft-, Knie- und Sprunggelenk’s, wie es in der klassischen Leichtathletik immer noch sehr häufig unterrichtet wird).

Auch wenn die POSE METHOD®-Lauftechnik damit „Vorfusslauftechniken ähnelt“, möchte ich hier betonen, dass Dr. Romanov ausdrücklich den Fussballen und nicht die Zehen meint, auch beim Abdruck wird der Fuss (Sprunggelenk) nicht gestreckt (Plantarflexion). Um die entsprechende Technik zu erlernen stützt sich Dr. Romanov im wesentlichen auf drei Elemente die zu einer optimalen Laufbewegung verknüpft werden:

Bildquelle • by Romanov Academy [PoseMethod.com]

POSE

Daraus ergibt sich für ihn eine POSE Position, die zentral für das Erlernen der richtigen Lauftechnik ist. Nach Romanov erfolgt das Erlernen einer Technik, indem einzelne ‚Posen‘ eines Bewegungsablaufs erlernt und anschliessend miteinander verbunden werden. Dies sieht er als die übliche Vorgehensweise bei komplexen Bewegungen wie beispielsweise im Ballett oder Karate und wendet es auch beim Erlernen der richtigen Lauftechnik an. Beim Laufen sieht er allerdings nur eine wichtige POSE-Position, die zu erlernen gilt – d.h. diese POSE wird abwechselnd mit jedem Bein eingenommen und so ergibt sich der Bewegungsablauf beim Laufen.

Romanov kritisiert, die übliche Vorstellung vom Laufen sei, dass ein Bein nach vorne gestreckt wird, um „Boden gut zu machen“ (langer greifender Schritt). Hier sieht er das Problem, dass der Körper aus der Balance gerät und unnötige Arbeit leisten muss, die den Läufer viel Kraft kostet. Ausserdem erfolgt so der Fussaufsatz in einer Weise, die den Körper stark abbremst, da er deutlich vor seinem Körperschwerpunkt (GCM) landet und zu einer sehr hohen Belastung führt. Dies ist mit ein Grund für viele Laufverletzungen wie z.B. Schienbeinkanten-Syndrom, ITB-Syndrom (Läuferknie), Achillessehnen-Probleme, Fersensporn, Plantarfasziitis, Ermüdungsbrüche etc.

FALL

Bei richtigem TIMING der gesamten Laufbewegung setzt der Fuss aus der Flugphase kommend nahe unter dem GCM (Körperschwerpunkt) auf. Kurz danach erreicht der Athlet die zuvor beschriebene POSE-Position – dies geschieht nachdem der GCM die senkrechte Linie (Gravitationslinie) nach vorne überschritten hat, also die Körperlinie (Kopf-Schulter-Hüfte-Vorfuss) quasi schon eine leichte Vorneigung hat.

Ferner wird im folgenden der Körperschwerpunkt (nicht der ganze Oberkörper!) über die Verbindung der Beine und dem Fussgelenk als Drehpunkt weiter nach vorne geneigt. Beim Laufen hat man so anfangs das Gefühl, nach vorne-zu-fallen (FALL).

Das FALLING wird über den Fallwinkel definiert – gemessen wird dieser vom GCM abwärts zum SUPPORT-Punkt  (Standfuss). Je grösser der Winkel, desto schneller läuft der Athlet. Der Fallwinkel liegt bei Hobbyläufern im Bereich von ca. 5 – 10 Grad und bei ambitionierten und Spitzenathleten zwischen ca. 15 bis max. 22,5 Grad; mehr als 22,5 Grad Fallwinkel können wir nicht mehr „kontrollieren“, dann kommt der „freie Fall“.

Usain Bolt hatte beispielsweise bei seinem Weltrekord über 100m (mit 9,58 Sek.) in Berlin 2009 einen Fallwinkel von 21,6 Grad – nahe an der Grenze des Machbaren, aber auch noch „etwas Luft“ nach oben 

PULL

Wenn der max. Fallwinkel für den Athleten erreicht ist – wird der Bewegungsablauf über das Hochziehen des Fusses mit Hilfe der Hamstrings (rückwärtige Oberschenkelmuskulatur) in Richtung unter die Hüfte (Gesäss/GCM) – dem sogenannten PULLING aufgelöst. Dabei wird der Fuss aber nicht aktiv über den Hüftbeuger bis zum Gesäss hochgezogen, sondern es geht um einen kurzen Impuls der Hamstrings zum Anstossen des Ablaufs. Die Zughöhe (wie hoch der Fuss unter die Hüfte gezogen wird) ist proportional abhängig von der Laufgeschwindigkeit des Läufers. Die Bewegung wird im weiteren Verlauf den „externen Kräften“ wie Gravitation, Trägheit, Muskelelastizität, Bodenreaktionskraft überlassen.

Das PULLING wird unmittelbar nach dem Auftreffen des Fusses auf dem Boden aktiviert, ohne dass ein Abrollen über die Zehen erfolgt. Erkennbar wird dieses frühe hochziehen bei einer Videoanalyse daran, dass das SUPPORT-Bein nicht vollständig gestreckt wird und möglichst keine Plantarflexion des Fusses (Streckung/Abdruck des Sprunggelenks) erfolgt.

Nach dem PULLING soll der Fuss zur Landung nicht aktiv aufgesetzt (nach unten beschleunigt) werden, er fällt einfach locker zu Boden – dies ist natürlich abhängig vom gesamten TIMING der Laufbewegung. So bleibt die Muskulatur entspannt und die körpereigenen Dämpfungssysteme können erfolgreich arbeiten.

 

Das Laufen ist auf diese Weise deutlich ermüdungsfreier und entspannter. Das bedeutet zum einen, dass grössere Umfänge häufiger trainiert werden können und ist zum anderen Voraussetzung für effektives, schnelles Laufen. Diese Entspannung in der Muskulatur wird normalerweise erst durch jahrelanges Training erlernt. Mit POSE METHOD® wird dieser Lernprozess stark beschleunigt.

– George Dallam, ehem. Team-Coach, USA Triathlon

Diese drei genannten elementaren Teile der Laufbewegung (POSE – FALL – PULL) stellen eine einfache und zugleich präzise Definition der Laufbewegung dar. Üben muss man natürlich trotzdem stetig und regelmässig!

Sportmedizinisch eröffnet POSE METHOD® neue Perspektiven. Die meisten Läufer-Beschwerden sind auf eine falsche Lauftechnik zurückzuführen. POSE METHOD® bietet hier eine Grundlage, um diese Fehler zu identifizieren und zu korrigieren egal welches Lauf-Level der Athlet mitbringt. Viele – auch hartnäckige – Läufer-Beschwerden lassen sich durch eine entsprechende Korrektur der Lauftechnik auf Dauer sehr gut eliminieren!

© Praxis Dr. May & A. Morstadt 2018