Doch was können wir selbst dafür tun?

Wir sollten uns möglichst „fit“ halten, um so auch bei einer Infektion möglichst unbeschadet durchzukommen. Daher ist es neben anderen Faktoren, die den Lebensstil betreffen – wichtig, dass wir unsere körperliche Leistungsfähigkeit und die Funktion unserer Organsysteme erhalten und gegebenenfalls auch in der jetzigen Phase steigern. Dafür ist körperliches Training eine Grundvoraussetzung und sollte auch trotz aller Einschränkungen beibehalten werden, um einen guten Fitnesszustand zu behalten.

Aber jetzt ist auch die Zeit, bisher Inaktive zu ermuntern, körperliche aktiv zu werden und ihren Fitnesszustand zu verbessern. In entsprechend angepasster Form kann auch bei weniger Aktiven die individuelle Leistungsfähigkeit gesteigert werden, solange keine Krankheitssymptome vorliegen. Dies ist insbesondere wichtig, da wir nicht davon ausgehen können, dass die Infektionswelle in wenigen Wochen abebbt, sondern wir noch mit einer längeren Zeit mit der Gefährdung rechnen müssen.

Doch was bringt uns körperliches Training im konkreten Zusammenhang mit der COVID-19-Infektion?

Wir können dadurch das Infektionsrisiko nicht abmildern; das Virus macht da keine Unterschiede – aber unser Körper kann besser auf die Verarbeitung der Infektion eingestellt werden. Hier kommt dem stabilisierenden Effekt körperlicher Aktivität auf das Immunsystem eine wesentliche Rolle zu. Es ist mittlerweile sehr gut belegt, dass körperliche Aktivität zu Veränderungen des Immunsystems führt.

Hierzu gehören folgende Mechanismen:

Stärkung der Eigenregulation des Immunsystems

Diese Eigenregulation ist wichtig, um die Immunreaktion auf einen neuen Erreger so einzustellen, dass auf der einen Seite der Erreger (in diesem Fall die SARS-CoV-2-Viren bzw. die von ihnen befallenen Zellen) eliminiert wird und andererseits die Reaktion nicht überschießt. Gerade die überschießende Antwort des Immunsystems ist es nämlich, die den Organismus überlastet und zum Versagen bringen kann. Es ist in den letzten Jahren gezeigt worden, dass gerade die „bremsenden“ Zellen des Immunsystems, hier vor allem die sogenannten T-regulatorischen Zellen, in Abhängigkeit von körperlicher Leistungsfähigkeit und Training in Zahl und Funktion gesteigert werden. Dies dürfte ein wichtiger Mechanismus für eine angemessene Reaktion des Körpers auf das neue Virus sein.

Aber warum sind es vor allem ältere Menschen, die klinische Probleme und häufiger tödliche Verläufe nach Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus zeigen? Und warum sind solche Menschen mit Erkrankungen des Herzkreislaufsystems oder kardiovaskulären Risikofaktoren wie Arterieller Hypertonie und Typ-2-Diabetes neben Lungenerkrankungen und Raucheranamnese besonders betroffen?

Erklärungen hierfür sind wissenschaftlich noch nicht nachgewiesen, doch es zeigt sich bei älteren Menschen, dass sie die „bremsenden“ Zellen des Immunsystems nicht mehr so effizient aktivieren können. Dadurch reagieren sie gerade auf neue Erreger, bei denen das Immunsystem eher unspezifisch und heftig antwortet, weniger angemessen.

Daher ist es umso wichtiger, dass wir unser Immunsystem aktivieren und „trainieren“ und es damit „fit“ halten. Dazu sind besonders Ausdaueraktivitäten mit moderater Intensität von zentraler Bedeutung, weil hierdurch eine erhöhte Zirkulation der Immunzellen sowie eine Aktivierung des Immunsystems stattfinden.

Selbst kurze Trainingseinheiten von 10 Minuten können für Untrainierte bereits die optimale Dauer sein, die dann über die Zeit gesteigert werden kann.

 

In Kürze folgt Teil 2.

Quelle: Bloch W, Halle M, Steinacker JM. Sport in
Zeiten von Corona. Dtsch Z Sportmed. 2020;
71: 83-84.

 

 

 

 

Wir wünschen Ihnen Gesundheit und Glück

Ihr Praxisteam der Gemeinschaftspraxis

Dr. med. Thomas May und Annette Morstadt

 

© Praxis Dr. May & A. Morstadt 2020