Ein Artikel aus dem Deutschen Ärzteblatt für Sie.
 
Der Mittags- oder Nachmittagsschlaf, im Englischen „Nap“ genannt, ist weit verbreitet. Die gesundheitlichen Auswirkungen sind allerdings nicht eindeutig geklärt. Dies gilt ganz besonders für die Herzgesundheit. Während zum Beispiel eine griechische Kohortenstudie bei Mittagsschläfern eine reduzierte koronare Mortalität fand, gibt es Kohortenstudien aus den USA, Japan und Deutschland, in denen regelmäßiger Mittagsschlaf mit einer Tendenz zu erhöhtem Risiko für kardiale Ereignisse und kardiovaskuläre Mortalität assoziiert war. In einer Metaanalyse fand sich eine J-Kurve als Dosis-Wirkungsbeziehung zwischen Mittagsschlaf und kardiovaskulärer Erkrankungshäufigkeit: kurzer Schlaf tagsüber, nämlich < 1 Stunde, war eher kardioprotektiv, längerer hingegen mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko assoziiert. Eine ähnliche Assoziation wurde zwischen Diabetes mellitus und metabolischem Syndrom zum Mittagsschlaf gefunden. Eine populationsbasierte Kohortenstudie aus der Schweiz bestätigt, dass wohl nur ein mäßiges Napping gut für die Herzgesundheit ist. Ausgewertet wurden die Daten von 3462 Personen (35–75 Jahre) über eine mediane Beobachtungszeit
von 5,3 Jahren. Dies entsprach 17976 Personenjahren. Die Mehrheit (58,1 %) hielt nie Mittagsschlaf, unter den Übrigen war das Bedürfnis, tagsüber zu schlafen, bei älteren Menschen ausgeprägter als bei jüngeren, möglicherweise auch deshalb, weil Ältere mehr Zeit haben als Berufstätige.
Die 6- bis 7-mal pro Woche einen Mittagsschlaf einlegenden Teilnehmer waren im Durchschnitt mit 63,1 Jahren älter als die „Nevernapper“mit 56,2 Jahren. Im Beobachtungszeitraum kam es zu 155 letalen und nichtletalen kardiovaskulären Ereignissen. Nach Adjustierung für Alter, Geschlecht, Gewicht, Raucherstatus und anderen Faktoren hatten Studienteilnehmer, die lediglich 1- bis 2- mal pro Woche Mittagsschlaf hielten, gegenüber jenen, die tagsüber nie schliefen, ein deutlich reduziertes kardiovaskuläres Risiko mit einer Hazard Ratio (HR) von 0,52 (95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [0,28; 0,95]). Bei Teilnehmern, die 6- bis 7-mal pro Woche nachmittags schliefen, fand sich zunächst ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko (HR: 1,67 [1,10; 2,55]). In adjustierten Modellen war diese Erhöhung allerdings nicht mehr nachweisbar (HR: 0,89 [0,58; 1,38]). Fazit: „Die Studie ist interessant und sie zeigt, dass ein gelegentliches ‚Napping‘ kardiovaskuläre Risiken deutlich reduziert, nicht aber ein täglicher Mittagsschlaf“, kommentiert Prof. Dr. med. Hans-Joachim Trappe, Direktor der Medizinischen Klinik II (Kardiologie und Angiologie) am Marien Hospital Herne/Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum. „Es muss allerdings bedacht werden, dass zwischen den beiden Beobachtungsgruppen deutliche Altersunterschiede lagen, und diese könnten das Schlafverhalten möglicherweise beeinflusst haben“, so Trappe.
 
Dr. med. Ronald D. Gerste
 
Häusler N, Haba-Rubio J, Heinzer R, et al.:
Association of napping with incident
cardiovascular events in a prospective cohort
study. Heart 2019; 105: 1793–8.
 
Quelle: Deutsches Ärzteblatt | Jg. 117 | Heft 5 | 31. Januar 2020 A 211

 

 

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